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Gebetsgemeinschaft Mariawald
Gedanken über das Gebet aus Joh. Baptist Scaramelli SJ, Geistlicher Führer auf dem christlichen Tugendwege, 1923 (?)

Was könnte uns auch mehr am Herzen liegen, als dass Gott unser ganzes Leben und Handeln so lenke und regiere, dass wir sicher zur Erreichung unseres ewigen Zieles gelangen? Gerade um Güter dieser Art muss daher eine christliche Seele immerdar zu Gott flehen, besonders, wenn sie ernstlich nach Vollkommenheit verlangt, weil davon ihr ganzer Fortschritt abhängt. Um diese muss sie auch ohne jegliche Bedingung bitten; denn es sind, wie der heilige Thomas sagt, Güter, bei denen kein Missbrauch möglich, kein schlimmer Ausgang zu befürchten ist - Güter, welche uns unserer übermenschlichen Bestimmung näherbringen und um welche auch die Heiligen jederzeit ohne allen Vorbehalt zu Gott beten. (S.143)

Aus diesem Grunde müssen wir Gottes Weisheit und Vatergüte alles anheimstellen und um zeitliche Güter nicht mit demselben Eifer und Nachdruck bitten wie um geistliche; sonst könnte es den Anschein haben, als schätzten wir irdische Dinge höher als ewige und himmlische.
Was sodann die Bedürfnisse unserer Nebenmenschen betrifft, so steht es fest, dass unser Gebet auch diese zum Gegenstande haben darf und dass wir als Christen alle füreinander beten und uns zur Erlangung der Seligkeit behilflich sein sollen. „Betet füreinander“, so ruft der hl. Jacobus allen zu, „damit ihr gerettet werdet, denn viel vermag das beharrliche Gebet des Gerechten.“ Ja, der hl. Chrysostomus bemerkt, dass das Gebet für den Nächsten Gott noch angenehmer und daher für uns selbst verdienstvoller ist. „Für uns selbst beten“, sagt er, „dazu zwingt uns die Notwendigkeit; zum Gebete für andere drängt uns die Liebe. Nun aber ist nicht jenes Gebet Gott wohlgefälliger, zu welchem das eigene Bedürfnis treibt, sondern jenes, welches die Liebe zu anderen uns eingibt.“ Eine solche Liebe wird niemals des Lohnes und Verdienstes entbehren, selbst wenn derjenige, für welchen wir beten, sich von seiner Seite der Erhörung unseres Flehens unwürdig machte. Und wie oft hat nicht das Gebet selbst Hindernisse wie Weltsinn, Lauheit, Lasterhaftigkeit, Herzenshärte und Verstocktheit bei anderen entfernt und ist so erhört worden. (S. 145)

Der hl. Ambrosius schreibt: „Mögen immerhin die einzelnen unvermögend und schwach sein, so macht doch die Vereinigung sie stark, und das Gebet dieser kann unmöglich unerhört bleiben.“
Noch eine Bemerkung über die Person dessen, welcher seine Bitten Gott darbringt. Derselbe soll im Stande der Gnade, ein Freund Gottes und ihm wohlgefällig sein, weil er so sehr befähigt ist, Beweise des Wohlwollens von seiner liebenden Vaterhand zu empfangen. Sollte sich aber jemand infolge einer Todsünde in der Ungnade Gottes befinden, so darf er deshalb das Gebet, auch das häufige Gebet keineswegs unterlassen. Denn wofern die Gaben, um welche er bittet, auf sein ewiges Heil hinzielen und er darum in rechter Weise bittet, so wird auch er ganz gewiss erhört werden - „nicht freilich“ , wie der hl. Thomas sagt, „aus Gerechtigkeit, als ob er dessen würdig wäre, sondern aus reiner Barmherzigkeit.“ Als Grund hiervon gibt derselbe an einer anderen Stelle dieses an, dass die ganze Kraft des Gebetes nicht auf dem Verdienste der betenden Person, sondern auf der Güte Gottes und dessen Verheißung beruht. Fehlt es somit auch dem Betenden an dem notwendigen Verdienste, um erhört zu werden, so hat doch sein Gebet die Kraft, das Gewünschte zu erlangen. Keiner darf also das Bittgebet unterlassen, ob er Sünder sei oder Gerechter, ob er sich bereits auf dem Wege der Vollkommenheit oder noch fern davon befinde; denn dieses Mittel ist für alle wirksam, für alle notwendig. (S. 146 f.)

Nachdem Christus sein göttliches Wort als Bürgschaft hinterlassen, dass er uns alle Gnaden, um die wir ihn bitten, erteilen wolle, gibt er uns in dem Hinweise auf die göttliche Güte, Liebe und Freigebigkeit noch den Grund an, der Gott bewegt, unsere Bitten zu erhören. „Oder ist wohl ein Mensch unter euch“, so ruft er aus, „der seinem Sohne, wenn er um Brot bittet, einen Stein gäbe? Oder wenn er um einen Fisch bittet, wir er ihm eine Schlange darreichen? Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisset: wieviel mehr wird euer Vater, der im Himmel ist, denen Gutes geben, die ihn darum bitten.“
Folgt nicht aus allem diesem, dass Gott jene Bitten unmöglich unerhört lassen kann, welche sich auf unser Heil und unsere Vollkommenheit beziehen, wofern dieselben in der rechten Weise vorgebracht werden? Oder sollte Christus, die ewige Wahrheit, etwa lügen? Kann er sein Wort brechen, seinem Versprechen untreu werden? Keineswegs, sagt die Heilige Schrift; denn „Gott ist nicht wie ein Mensch, dass er lüge; wie eines Menschen Sohn, dass er sich ändere. Er hat es gesagt, und sollte es nicht tun? Er hat es gesprochen, und sollte es nicht halten?“ Schön sind auch die Worte des Hl. Augustin: „ ,Bittet und ihr werdet empfangen.‘ Dieses sind deine Verheißungen, o Herr. Und wer sollte sich fürchten, getäuscht zu werden, wo die Wahrheit selbst das Versprechen gibt?“ (S. 148 f.)

Der Gottesgelehrte Suarez trägt kein Bedenken zu behaupten, dass derjenige, welcher in der rechten Weise und mit ausdauernder Beharrlichkeit zu Gott betet, unfehlbar die Gnade der Beharrlichkeit im Guten erhalten wird, obgleich letztere ein freiwilliges Geschenk Gottes ist, das niemand aufgrund seiner guten Werke und Verdienste mit Recht beanspruchen kann. Von der heiligen Theresia wird berichtet, dass sie sich bei ihren Gebeten auf jene feierlichen Verheißungen des Gottessohnes mit dem festesten Vertrauen stützte und dass dieses unerschütterliche Vertrauen ihren Bitten eine wundersame Wirksamkeit verlieh. (S. 149 f.)

Denn wir gleichen jenen Armen, denen ein gütiger und reicher König Wohnung, Nahrung, Kleidung und alles anbietet, wenn sie nur darum bitten; welche aber dennoch obdachlos, hungrig und zitternd vor Kälte umherirren. Ist nicht dasjenige, um was wir in unserer Gleichgültigkeit gegen höhere Güter bisher gebeten, so gut wie nichts? Und könnte nicht Christus auch an uns die Worte richten, die er beim letzten Abendmahle zu seinen Aposteln sprach: „Bisher habet ihr um nichts in meinem Namen gebeten.“? Fangen wir also einmal an, voll des Eifers zu Gott zu flehen. Beten wir in allen unseren Anliegen, Versuchungen, Bedürfnissen, Verlegenheiten, Zweifeln, Beunruhigungen und Aufregungen des Herzens, und seien wir eingedenk jener Worte, welche - im Anschlusse an jene Stelle der Heiligen Schrift: „Gepriesen sei Gott, der mein Gebet nicht verworfen und seine Barmherzigkeit von mir nicht abgewendet hat!“ - der heilige Augustinus Gott selbst in den Mund legt: „Erkennst du, dass du in deinem Gebete noch nicht untreu geworden bist, so sei versichert, dass auch meine Barmherzigkeit sich von dir noch nicht entfernt hat.“
Sehen wir jetzt, welche Eigenschaften das Gebet haben muss, damit wir mit unfehlbarer Glaubensgewissheit auf dessen Erhörung bauen können. Manche werden nicht erhört, weil sie nicht in der rechten Weise beten, wie der heilige Jacobus sagt: „Ihr bittet und werdet nicht empfangen, weil ihr schlecht betet!“ Wie muss das Gebet also beschaffen sein? Der heilige Thomas fordert - vorausgesetzt, dass wir für uns selbst „bitten, und zwar um Dinge, die zu unserem Heile notwendig“ sind - drei Eigenschaften als Bedingung unfehlbarer Erhörung: den Glauben, die Demut und die Beharrlichkeit. (S. 150 f.)