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Die Osterkerze von Mariawald
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Osterkerze 2012
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Im Neuen Testament werden die Bienen nicht erwähnt. Und dennoch haben sie einen besonderen Platz in der Liturgie des Hohen Osterfestes, wenn der Diakon von ihr singt als „festlicher Gabe, die vom Fleiße der Biene bereitet ist“.
Diese so gepriesene Kerze ist denn auch kein Industrieprodukt, sondern hat eine besondere Geschichte ihrer Herstellung. Zwar stammt das Wachs vom Fleiß der Bienen, aber zur geschmückten Kerze wird es erst durch Fleiß und Handwerkskunst vieler Menschen.
Wenn in Mariawald am Ostermorgen zwischen drei und vier Uhr in der Frühe die Osterkerze im Gottesdienst entzündet wird, erfüllt sich ihre Bestimmung, die im Herbst des Vorjahres begann:
Auch in Mariawald ist die Zeit der sammelnden Bienen zu Ende. Der Imker Bruder Clemens und sein engagierter Helfer Herr Schoddel aus Floisdorf haben begonnen, den Honig zu ernten. Zurück bleiben die leeren Waben. Alte und beschädigte werden aussortiert und von Herrn Schoddel zu Hause in einem Spezialofen eingeschmolzen. Um die für die Kerze nötige Wachsmenge zu erreichen, verarbeitet Schoddel auch eigene und von befreundeten Imkern gespendete Waben, etwa 200 Stück. Das ergibt ca. 20 kg Wachs, das nun gereinigt werden muss.
Der reine Wachsklumpen wird dann nach Vilshofen an die Donau in die Benediktinerabtei Schweikelberg geschickt, wo der dortige Bruder Clemens das Wachs verflüssigt und zur Kerze „zieht“. (Wieder ein Clemens, auf deutsch „der Milde, Sanftmütige“, ein passender Name zu Honig und Wachs!) Die fertige reine Bienenwachskerze ist nun etwa ein Meter lang und 15 kg schwer.
Ihre nächste Station ist bei den Benediktinerinnen von Mariendonk (bei Viersen). Dort beginnt jetzt die ornamentale Feinarbeit. Schwester Clara schmückt die Kerze nach einer Vorgabe von Abt Josef aus Mariawald. Sie formt Symbole und Zahlen aus gefärbtem Wachs und bringt sie auf der Kerze an: die aktuelle Jahreszahl und den ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, also ein Α und ein Ω, die auf Christus als den Herrscher aller Zeiten verweisen; außerdem Markierungen, an denen in der Osternachtsfeier fünf Weihrauchkörner eingefügt werden als Erinnerung an die fünf Wunden Jesu, die Nagelwunden der Hände und Füße und die der Lanze an seiner Seite.

In der Osternacht wird dann am lodernden Feuer, wie seit Jahrhunderten, die festliche Kerze geweiht und entzündet, wobei der Priester spricht:

Das Licht Christi, der herrlich vom Tod erstanden ist, vertreibe das Dunkel von Herz und Verstand!

Wie die Juden der Feuersäule durch die Wüste folgten, so ziehen die Christen hinter der brennenden Osterkerze in die Kirche ein.
Dort beginnt das große Osterlob, in dem eben auch die Bienen Erwähnung finden. Kein anderer profaner Gegenstand wird so wie die Osterkerze in das Lob Gottes einbezogen.
Diese Kerze wird die liturgischen Feiern bis zum Fest Christi Himmelfahrt begleiten. Nach der Ordnung der Außerordentlichen Liturgie wird sie in Mariawald an diesem Tag nach dem Evangelium von der Aufnahme Jesu in den Himmel gelöscht, Zeichen seines Scheidens von der Erde.
Beim Löschen der Kerze verbindet sich unsere Wehmut über den Weggang Jesu mit der Einsicht in die Endlichkeit auch des „Fleißes der Biene“ und der Kunst des Menschen, aber zugleich mit der gläubigen Hoffnung, einmal das ewige göttliche Licht schauen zu dürfen.
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Ernst Schoddel aus Floisdorf